Krieg I Frieden 2014

für den inneren Frieden

 

Rastlos, getrieben ‑ seit einem Jahr laufe und laufe ich - immer schneller. Warum diese Schnelligkeit? Was ist der Grund dafür? Diese Fragen stellen sich - die Antworten scheinbar einfach. Ich laufe vor mir selber davon. Nachts tauche ich ein in die Welt des Proletariats, deren Struktur Halt gibt und gleichermaßen Angst suggeriert. Der Rhythmus des Tages wird eingegrenzt durch den universitären Alltag - alles unbefriedigend. Ertrage kaum noch Menschen. Das Leben der Straße mit all seinen verwinkelten sublimen Geschehnissen ziehen mich in den Bann und lassen das Leben scheinbar für einem kurzen Moment fließen. Ich beschließe Leipzig für eine Weile zu verlassen. Der heimlichen Melancholie folgend - der Osten. Als Bilderwelt, Sehnsuchtsort, Gedanken - und Gefühlskonstrukt seit Kindheitstagen existent - ungeformt, ungeschliffen - voller Poesie, Magie und Tragik im Einklang mit einer großen fühlbaren Lebensfreude stehend. Sitze im Zug nach Prag - Zwischenstopp in Dresden - alte, schöne Erinnerungen erstrecken sich im Geiste. Steige in Dresden in den Schnellzug nach Prag um. Im Gleit- und Schwebetakt des Zuges eröffnen sich neue Blickwinkel, deren Komplexität erst später erfassbar sein wird. Angekommen in Prag. Versuche mir ohne Stadtplan die Struktur dieser Stadt zu erkämpfen. Meiner inneren Intuition folgend. Erkunde die Stadt im Eilschritt. Es wird dunkel - noch immer die Unterkunft nicht erreicht. Ein alte Dame, die ich im holprigen Englisch nach dem Weg frage, zeigt mit einer Hand in Richtung Unterkunft. Innehalten. Prag zu mögen fällt mir schwer. Lasse mich treiben. Bewundere die Stadt von Alfons Mucha. Eine Faszination üben die prunkvollen Treppen- und Kaffeehäuser im Jugendstil auf mich aus. Gleichzeitig verspüre ich Schwere, die mir scheinbar die Luft zum Atmen nimmt. Zum Abschluss gehe ich in die Oper - Schwanensee - der Kampf der Schwäne: schwarz, weiß, gut, böse, Krieg und Frieden. Worte ohne Verbindung zueinanderstehend begleiten mich ab diesem Zeitpunkt. Fahre zum Busbahnhof - der außerhalb in einem Randbezirk liegt. Trostlos wirken die Menschenmassen an diesem Ort und sehe die Bilder, die meine heimliche Melancholie befriedigen. Ich beschließe ab diesem Zeitpunkt jeden Ort in Frieden zu verlassen. Fahre mit dem Bus weiter Richtung Wien. Bus und Bahn werden zu Bindegliedern zwischen den Städten und zum Transformationsort meiner vielen Reiseeindrücke. Der Gleit- und Schwebetakt dieser Transportmittel gibt mir Kraft und Ruhe, um notwendige Reflexionsprozesse auszulösen. Schaue aus dem Fenster und bestaune die tschechische Weite, verspüre Verbundenheit zu dem Ort meines familiären Ursprunges. Angekommen in Wien. Der Strukturkampf beginnt auf das Neue. Ich verabschiede mich schnell von meiner Illusion der weichgetünchten Fassaden wie die einer Zuckerbäckerei. Bin im äußeren Stadtbezirk untergebracht. Ernüchterung stellt sich ein - viel Armut, durch das Leben der Menschen aus Osteuropa hier. Erkunde die Stadt - fühle mich zu den stilvoll anmutenden Bürgerparks hingezogen. Große kunstvoll geschmiedete Eisenzäune rahmen die planerisch angelegten Gartenanlagen ein. Verlasse Wien und fahre weiter Richtung Budapest. Wieder mit dem Bus. Angekommen in Budapest. Die U-Bahn schlängelt sich langsam und behäbig durch den Budapester Untergrund - Unbehagen. Die Euphorie über die Stadt kommt auf, als ich aussteige und in das bunte Treiben eintauche. Die Stadt ist voll- und doch unvollkommen in ihrer Ästhetik. Die Fassaden in einer bunten Mixtur zwischen alter und neuer Welt glänzend, beflügeln mich. Kaffeehäuser, Restaurants und die vielen Passagen zeigen die Schönheit und Anmut und sind gleichzeitig Ausdruck dieser prunkvollen Stadtarchitektur. Und doch sehe ich auch die
Polarität. Ein mit Marmor in kommunistischen Zeiten erbautes und ausgestattetes Haus ist meine Unterkunft. Direkt dahinter liegt das jüdische Viertel von Budapest. Erst am vorletzten Aufentshaltstag betrete ich diese für mich andere und doch so vertraute Welt. Wie im Sog ziehe ich durch die verwinkelten Straßen und Hinterhöfe und sauge diese Stimmung auf. Krieg und Frieden. Ich verstehe, was als abstraktes Gedankenkonstrukt und als Bestandteil meines Selbst immer da ist und war. Doch ich werde in Frieden gehen. Mit dieser Stimmung im Gepäck fahre ich nach Keleti pályaudvar, einer der 3 Budapester Bahnhöfe. Ich habe noch etwas Zeit, bis der Zug mich weiter Richtung Split tragen wird. Der Bahnhof mit all seinen traurigen Menschenmassen lässt ein wenig Melancholie zu und doch versprüht er eine gewisse Heiterkeit. Ich überlege warum. Es ist das Licht, das von weit außen ins Innere der Bahnhofshalle hineindringt. Die Reise geht weiter. Eine 16 Stunden Fahrt wird vor mir liegen. Die Zugfahrt lässt mich ruhig werden. Plötzlich hält der Zug. Wir werden gebeten auszusteigen. Die Reise wird per Bus fortgesetzt. Es wird dunkel. Fahrt durch die ungarische Landschaft, im Glanz der untergehenden Sonne sind die Umrisse der Dörfer und Landschaft sichtbar. Frieden überkommt mich. Austieg. Der Zug steht bereit am Grenzübergang zu  Exjugoslawien. Kontrolleure passieren die Waggons. Finstere Gestalten, verkleidet in Uniformen blicken mich an und fordern  meinen Ausweis. Ich folge wortlos. Die Fahrt geht weiter. Bin müde. Zwischenstopp in Zagreb. Zwei Stunden Aufenthalt. Verlasse den Bahnhof, Menschenleere und ich lasse mich treiben. Vorwärts immer schneller bis meine Beine mich zum Stehenbleiben zwingen. Ich halte an und sehe die Laternen wie sie die aufblühenden Magnolienbäume anleuchten. Im Schatten dieser werden die Konturen eines Parks sichtbar. Ich bin in diesem Moment, im Bewusstsein wo mein Zuhause ist, angekommen - Glückseligkeit. Ich steige in den Zug weiter Richtung Split ein. Fahre die Nacht durch. Eine kroatische Frau liegt neben mir im Zugabteil. Das erste Mal seit Langem, dass ich schlafen kann. Erwache in den Morgenstunden und beobachte die Landschaft im Aufgehungsprozess. Angekommen in Split. Der Bahnhof wirkt klein, frage den Schaffner, ob wir wirklich da sind. Er nickt. Steige aus. Die Adria im Glanz des Mittelmeers, die Altstadt dahinter liegend im Blickfeld meiner Augen lassen mich strahlen. Dubrovnik wird das nächste Reiseziel sein. Sitze am Busbahnhof. Zeit hat hier eine andere Bedeutungsebene. Der Bus kommt mit ca. 2 Stunden Verspätung an. Beobachte und reflektiere. Angekommen in Dubrovnik. Wieder überkommt mich das Gefühl von Freude und Ausgelassenheit. Die Altstadt ist ein Meisterwerk. Heroisch wie eine Burg schmiegt sie sich harmonisch in die Adria an. Eine Mauer umhüllt sie wie ein Schutzmantel, oben wie unten begehbar. Der Hafen ein magnetischer Anziehungspunkt lässt Sehnsüchte Sehnsüchte sein. Die Gassen und Häuser schmal und eng, laufen abwärtsstrebend von beiden Seiten dem tiefsten Punkt - dem Zentrum - zu. Die Stadt zu erkunden zumden verschiedenen Zeiten ist ein Genuss. Das Licht der Adria brennt sich in mein Gedächtnis ein. Und wiedermal überkommt mich Wehmut. Ich sehe Bilder von Dubrovnik aus den neunziger Jahren - ausgebrannt und zerstört im Feuerkampf - auch außerhalb erkennbar. Habe ich diese Tatsache aus dem Blickwinkel der Vollkommenheit ignoriert? Reflexionsprozesse beginnen. Die letzte Station meiner Reise wird Mostar sein. Im Jugoslawienkrieg Schauplatz vieler Kämpfe zwischen den verschiedenen Völker- und Glaubensgruppen.
Fahre mit dem Bus - schaue aus dem Fenster und betrachte die Landschaft. Das erste mal werde ich bewußt mit den Folgen von Krieg konfrontiert. Angekommen in Mostar. Die Stadt ist kaputt. Ruinen neben leeren Brachflächen. Meine Unterkunft gleicht meiner Stimmung - im Keller, die Fenster mit Draht geschützt, das Licht grell, alte Betten und Decken. Ich bin der einzige Gast. Die Menschen wirken demoralisiert. Verzweifelt suche ich Orte des Friedens, kaum auffindbar. Die vielen Friedhöfe, ins Stadtgeschehen eingebettet, verschaffen mir eine bisher unbekannte seltsame Ruhe. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Stari most (zu deutsch: alte Brücke). Die Brücke überspannt den Fluss Neretva und verbindet den bosniakisch mit dem kroatisch geprägten Teil der Stadt. Seit Jahrhunderten steht diese symbolisch als Bindeglied zwischen den verschiedenen Völkergruppen. Die Brücke wurde im Bosnienkrieg zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut. Im Jahre 2005 ist sie in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurden. Ich zeichne, vor allem Stari Most. Diese Brücke lässt mir keine Ruhe. Ein kleines muslimisches Mädchen sieht mir dabei zu und schaut mich mit großen Augen an. Iman ist ihr Name. Die Mutter erzählt, dass sie auch gerne zeichnet. Ich bitte sie, ein kleines Andenken in mein Skizzenbuch zu zeichnen. Sie zeichnet ein Haus. Und dieses Haus ist ganz. Ich kämpfe in Mostar sehr mit mir. Ich habe bis zum Tag der Abreise nicht meinen Ort des Friedens gefunden. Erst morgens als ich Richtung Busbahnhof aufbreche, finde ich ihn. Es ist der kleine Garten direkt hinter meiner Unterkunft, der hangabwärts am Fluss liegt. Der einzige Baum, ein Kirsche, blüht und ich verlasse in Frieden mit der aufgehenden Sonne Mostar Richtung Deutschland. Eine 24 Stunden Fahrt bis Frankfurt am Main liegt vor mir. Als einzige Deutsche fahre ich friedvoll mit Serben, Kroaten und Bosniern in meine Heimat. Eine für mich ungewohnte Gastfreundschaft beschämt mich ein wenig. Neben mir sitzt ein Bosnier. Er ist Jurist und möchte nach Deutschland, weil er von uns lernen möchte. Ich frage neugierig nach. Auf einer Skizze erläutert er mir das korrupte Rechtssystem seines Landes. Er sagt: »Wir Deutschen sind einer der wenigen Länder in denen Menschenrechte gelten.« Ein wenig Stolz überkommt mich. Wir verabschieden uns in Frieden. Angekommen in Frankfurt. Es ist früh, mich zieht es an den Main - schlafe ein wenig. Mittags breche ich Richtung Unterkunft auf, vorbei an den Hochhäusern, beobachte dabei die Banker in ihren schicken Kostümen, wie sie in Scharen zu den Orten ihrer Nahrungsaufnahme pilgern. Ich überlege. War der Krieg in Mostar so offen sichtbar, so ist er in meiner Heimat unsichtbar. Versteckt unter dem Deckmantel der Demokratie. Ich fahre mit den vielen Eindrücken meiner Reise nach Hause. Wollte ich zuerst diese im Zuge meiner Abschlussarbeit atmosphärisch wiedergeben, so wird es am Ende eine Reise zu mir selber.

 

Krieg I Frieden. Kampf der Polaritäten. Meine inneren Kämpfe, voller Schmerz, Wut, Trauer über Erlebtes ergreifen mich und suchen als Ventil das leere, unbelastete Blatt.

 

»Den Menschen zu dem ich Du sage, erfahre ich nicht. Aber ich stehe in der Beziehung zu ihm, im heiligen Grundwort Ich - Du. Erst wenn ich daraus trete, erfahre ich ihn wieder. Erfahrung ist Du - Ferne.«


Dieses Zitat von Martin Buber, jüdischer Philosoph und Verfechter eines friedfertigen Miteinanders, soll die Grundlage für meine künstlerische Abschlussarbeit bilden. Beziehungskonstrukte, die erst durch »Ich - Du« Begegnungen entstehen, hinterlassen Spuren, erzählen Geschichten. Es wurde der Versuch unternommen diese Geschichten in all ihrer Komplexität durch das künstlerische Ausdrucksmittel der Kohlezeichnung wiederzugeben. Konzeptionell sollen die entstandenen Bilder in eine neue »Ich - Du« Beziehung mit den Rezipienten gebracht werden. Vielleicht als Denkanstoß zu verstehen, dass Frieden nur von einem selbst ausgehen kann. Krieg I Frieden friedlich vereint im Kampf der Polaritäten. Statt aus dem Gegeneinander ein Miteinander, die Grundlage für inneren Frieden.


Wilfried Huy - ehemaliger Dozent für Praxis der bildenden Kunst Universität Leipzig - Institut für Kunstpädagogik

 

Frau Brandls Zeichnungen haben Kräfte und Energien, die ansprechen, die Impulse geben, die etwas im Betrachter anstoßen und reiche Reflexionen in Gang setzen. 

 

Juli 2014


Dr. Konrad Lindner  Wissenschaftsjournalist


Erdfarbleuchten –
Texte für Annekatrin Brandl

 

Text 1

Schweigen brechen       

Es gibt ein Schweigen aus Betroffenheit, wie zum Beispiel aus Schmerz, es gibt aber auch ein gelassenes, weil wissendes Schweigen, ein Schweigen aus einem Wissen, dass es Bezirke des Seienden gibt, die man nicht selber besprechen muss oder sollte. Diesen zweiten Fall erlebte ich am Tag des Offenen Denkmals - am 09. September 2018 - in der Ausstellung der Malerin Annekatrin Brandl auf der Georg-Schumann-Straße 116. Die Künstlerin trat hinter ihre Bilder zurück, um ihre Farben zu den Menschen sprechen zu lassen. Dadurch leuchtete der "Erdfarbklang" ihrer eindringlichen Arbeiten umso mehr hervor. Mich brachten die Bilder von Annekatrin Brandl im Sommer 2018 zum Schreiben. Auslöser war am 24. Juni 2018 eine Meeresszene: "an der Seebrücke". Zu sehen in der Ausstellung „Garten der Lust“ im Blockstellwerk Elsteraue am Rand von Leipzig. Für die Leipzig-Lese-Seiten, ein Kultur-Blog des Bertuch-Verlages, schrieb ich den Artikel „Teufel mit Seeblick“. Gewidmet dem Bildhauer Christoph Hundhammer und der Malerin der Seelandschaft. Am 2. August 2018 besuchte uns Annektrin Brandl in Schkeuditz, um sich meine Mohnbilder anzuschauen, die im Verlauf des Sommers entstanden waren. Für eine Broschüre über das „Mohnleuchten“ verfasste ich über diesen Sommertag mit seiner anregenden Diskussion den Text „Farbenleserin“. Weil ich erlebt hatte, wie intensiv Annekatrin Brandl die Farben um uns herum zu besprechen vermag. Sie lud mich auch ein, in der Nacht der Kunst am 1. September 2018 in ihrer Ausstellung „Auf dem Weg“ drei Blumenbilder zu präsentieren. Da mir das Treiben während der Nacht der Kunst imponierte und da ich herausgefordert war, über die Bilder von Annekatrin Brandl mit Besuchern zu sprechen, schrieb ich für die Leipzig-Lese-Seiten den Artikel „Kunstnacht: Mohnleuchten und Meeresrauschen im Wannenbad“. Die Ausstellung wurde noch einmal zum Tag des Offenen Denkmals am 09. September 2018 gezeigt. Der Architekt Mathias Baudenbacher führte durch das historische Anwesen auf der Georg-Schumann-Straße 116. Hier war aus einer einstigen Bronzefabrik Jahrzehnte hindurch ein Wannenbad und seit 2010 eine Begegnungsstätte im Zeichen der Kunst und der Geselligkeit entstanden. Am Tag des Offenen Denkmals stellte sich Annekatrin Brandl noch einmal der Öffentlichkeit. Aber anders als in der Kunstnacht, verzichtete sie darauf, über ihre Bilder zu sprechen. Sie nahm sich zurück und trat hinter ihre Bilder. Diese Geste nahm ich zum Anlass, um über die „Erdklangfarben“ ihrer Werke einen kleinen Text zu erarbeiten. Während Rainer Maria Rilke über die Bilder von Paula Modersohn-Becker erst nach dem Tod der Künstlerin schrieb, indem er das Requiem „Für eine Freundin“ (1908) zu Papier brachte, habe ich begonnen, über die Bilder von Annekatrin Brandl zu schreiben, als sie quicklebendig - zum Beispiel während des Aufhängens der Bilder für die Kunstnacht - vor mir stand und wir miteinander sprachen. Beim Schreiben konnte ich einige Ideen aus der philosophischen Ästhetik von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger und Hans-Georg Gadamer abfragen. Ich hatte das großartige Erlebnis, dass es Denker gibt, die beim Blick auf die Bilder der tüchtigen Malerin helfen, das Schweigen zu brechen. 


Text 2

Teufel mit Seeblick –
Kunst im Blockstellwerk Elsteraue 

Mit verschmitztem Blick schaute der Gehörnte aus dem Busch hervor. Mir gefiel sein Blick und die Gedanken wanderten zur Schülerszene und zum Mephisto der Faust-Dichtung des berühmten Leipziger Studenten Johann Wolfgang von Goethe. Die von Geäst umrahmte Skulptur aus Holz steht mit vielen anderen plastischen Werken für die Verwandlung des Bahnwärterhäuschens und des umliegenden Gartens in der Elsteraue zu Leipzig in einen Ort der Kunst und der Begegnung: Die Wirkungsstätte des Leipziger Bildhauers Christoph Hundhammer. Der Juni 2018 brachte einen Höhepunkt mit sich. Am grünen Ort lockten Skulptur, Plastik und Zeichnung von Annekatrin Brandl und von Hundhammer in die Ausstellung „Garten der Lust“. Der Bildhauer, der auch Zeichnungen wie zum Beispiel ein Liebespaar in heftiger Umarmung ausstellte, ließ seine plastischen Arbeiten mit den Farben und Linien in den Werken einer Leipziger Malerin in Dialog treten. Mit dabei die Teufelspersonen in Holz und Gips des Bildhauers Hundhammer. Sie erzählen, wie ich fand, etwas Wichtiges über uns Menschen. Wer den Teufel in sich nicht hin und wieder zulässt, hat nicht angefangen zu leben. Denn das Mephistophelische in unserem Tun und Lassen hat mit dem Zweifel zu tun, mit der Lust am Fragen und Infragestellen und mit einem kritischen Geist, der nüchtern verneint, was zu hoch auf dem Sockel steht. Die Menschenköpfe, die Hundhammer im Garten versammelt hat, beeindruckten. Sie reduzierten sich nicht auf gleichförmige Gesichter oder gar Nummern, sondern offenbarten bizarre Charaktere. Der Bildhauer schafft Menschenwesen, die etwas erlebt haben. Hier die kräftige Nase. Dort der gestreckte Hals. Da das Aus-Stücken-Zusammengefügtsein einiger Köpfe. Arbeiten aus Holz, Stein und Gips forderten zum Hinsehen auf, aber auch zum Berühren. Sie entlockten den Besuchern nicht nur ein Erstaunen, sondern auch ein Lächeln. Der fremde Finger durfte einer Schönen in Stein sogar ungeniert auf dem glatten Bauch entlangfahren. Obwohl im Unterschied zu Hundhammer als Malerin der Fläche verpflichtet, spielen auch die Zeichnungen von Annekatrin Brandl letztlich im dreidimensionalen Raum des menschlichen Erlebens. In bizarren Bäumen und kräftigen Büschen in Schwarz-Weiß waren, wie mir schien, auf den Strichen und Linien menschliche Leidenschaften mit im Spiel. Zu spüren war bei genauerem Hinschauen, dass nicht nur Liebe und Anziehung, sondern auch Haß und Abstoßung zum Leben und zur Kunst in bewegten Zeiten gehören. Nach dem Dialog mit dem Teufelchen aus Holz draußen im Garten stand ich im Bahnwärterhäuschen plötzlich vor einem Seeblick. Ferne tat sich auf. Reiseerinnerungen wurden geweckt. Ein frischer Hauch von Freiheit umströmte mich, als ich in die Weite schaute, in der sich das leicht rauschende Meer und der blaue Himmel trafen. Durch nichts wurde das Gefühl des Aufgehobenseins im Raum von Strand, Meer und Himmel gestört. Dankbar entdeckte ich einen feierlichen Lichtschimmer durchsichtigen Wassers, das den Strand rhythmisch streichelte.  In Gedanken versinkend begann ich ihn zu fragen, den Philosophen Friedrich Nietzsche, der wie Goethe in Leipzig studiert hatte und der in seinem Text „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ (1872) den musischen Urgrund der Kunst zur Sprache brachte: Verwandelt sich ein Bild wie das meisterhafte Meeresbild von Annekatrin Brandl beim Hinschauen nicht aus einer Farbfläche in einen dionysischen Emotionsraum? Ich glaubte jedenfalls, dass mich der „Zauber des Dionysischen“ zu berühren begann, als ich beim Blick über die Wasserfläche die sonstige Welt um mich herum vergaß und mich in einem Moment unbegrenzter Freiheit angekommen erlebte. Eben so, wie man fühlt, wenn man nach langer Reise die hohen Dünen überwindet und sich den Augen die Weite des Meeres und des Strandes eröffnet.
Nietzsche schreibt über das Dionysische: „Singend und tanzend äußert sich der Mensch als Mitglied einer höheren Gemeinsamkeit: er hat das Gehen und das Sprechen verlernt und ist auf dem Wege, tanzend in die Lüfte emporzufliegen.“ Beim Blick über die tiefen Farboberflächen hinweg bis zum Himmelsblau hatte ich dieses Gefühl des Emporfliegens, obwohl ich mit beiden Füßen an Land und auf dem Boden stand. Gedankt sei den Arbeiten der Malerin Annekatrin Brandl und des Bildhauers Christoph Hundhammer, die im Juni 2018 in der Freilandgalerie Blockstellwerk Elsteraue in Leipzig ein Wochenende lang zu entdecken waren. Sie waren eine Ermunterung zu einem freudigen und aufmerksamen Sehen, das in der Bürgerstadt Leipzig eine große Tradition besitzt. 


Text 3

„Krieg/Frieden“ - 
Text und Zeichnungen von Annekatrin Brandl 

Der Text ist dicht, authentisch, spannend, erhellend. Man liest ihn in einem Zug. Hat man angefangen, kann man nicht aufhören. Weil man sich mit dem "Ich sehe", "Ich fühle", "Ich erlebe" der Schreibenden/Berichtenden  identifiziert. Durch den Text wird der Gedankenfluss und der Eindrucksstrom einer Reise mit den unterschiedlichsten Verkehrsmitteln bis hin nach Mostar zu einer Hinführung zu den Zeichnungen vor Ort. Die Menge der Zeichnungen ergibt eine Fülle, die berauscht. Heftig. Kunst mit sympathischem Übermut. Aus den vielen, vielen Zeichnungen scheint eine unbändige Lust des Sehens oder gar eine Gier des Schauens zu sprechen. Oder besser: Eine kraftvolle Freude des Entdeckens kommt in Gestalt von 45 Bildeinstellungen zum Zuge. Linien des Alltags, der Straßen, der Häuser, Lebenslinien einer Konfliktregion, in der die Spuren des Krieges noch gegenwärtig sind, aber doch auch ein Danach zur Gegenwart geworden ist, das "Frieden" genannt wird. Ein Zwischenzustand, ein Raum der Wandlungen und Verwandlungen wird bedacht, erkundet, porträtiert. Nicht ohne Anteilnahme. Im Zentrum die berühmte Brücke. Die Künstlerin hat sie gesehen und mehrfach gezeichnet. Symbolischer Ort. Fensterreihen, Türme, Baumgeäst und Büsche werden auf den Blättern zu Linien mit Schwung. Haus und Baum ein graphisch Gemeinsames. Bizarres wie Elementares in all' dem, das sich zum Fest des Skizzenhaften fügt. Merkwürdig: Angedeutetes wird zum Bild, zur Gewissheit eines heimatlichen Raums. Masten, Bäume, Straßen, Wohnungen summieren sich zu Landschaften. Landschaften, die variieren enthalten Leben. Pulsierendes Leben. Text und Bild empfindet man schon nach einem flüchtigen Durchsehen als eine Komplementarität von Wort und Zeichnung. Eines benötigt das Andere. Visuelles und schreibendes Denken ergänzen sich. Eine Verdichtung. Sie lässt Zeichnung als Dichtung sichtbar werden und den erzählenden Bericht als Folge innerer Bilder. In "Krieg/Frieden" sind Reiseschilderung und Zeichnungsserie zu zwei Seiten einer geglückten Unternehmung gereift. Weder hat die Autorin ihr seelisches Zerrissensein um den Verstand gebracht, noch ist ihr der Stift am Ort des Zeichnens im Angesicht der Widersprüche steif aus der Hand gefallen. In der Kunstreise zur Brücke in Mostar stecken Power wie Sinnlichkeit, Freude wie Einfachheit, Neugier wie Lebensweisheit, analytischer Scharfsinn wie Menschlichkeit. Das Projekt "Krieg/Frieden" weitet bei Lesern und Betrachtern den Horizont. Erstaunlich, was ein Zeichenstift alles über Gassen, Hausfassaden, Bauernhäuser und Bäume erzählen kann. Danke!


Text 4

Farbenleserin 

Es war ein Fest des Sehens. Als uns draußen in Modelwitz am 02. August 2018 die Malerin Annekatrin Brandl besuchte. Vom warmen und vom kalten Weiß hatte ich zuvor noch nichts gehört. Aus dem Mund von Annekatrin erfuhr ich nicht nur davon, sondern die Malerin erläuterte mir diesen Unterschied auch vor der Haustür am Beispiel der Rosen meiner Frau. Dieses kleine Erlebnis der Verwandlung der Welt, in der man Tag für Tag heimisch ist, in Bildeindrücke der Kunst, empfand ich als ästhetische Erleuchtung. Mich erfüllte aber auch deshalb das Gefühl der Dankbarkeit, weil sich unsere Besucherin meine letzten Bilder anschaute. Wir tauchten vor allem in die Emotionsräume der Mohnserie ein. Die Bilder waren zunächst Anfang Juni 2018 durch den Kontrast der roten Blüten zum Noch-Grün der Getreidefelder ausgelöst worden, wobei der Mohn dann aber Anfang Juli 2018 mit einem Getreidegelb in Konkurrenz trat, das durch Dürre verursacht war. Ein radikaler Wechsel der Farben und ein starker Impuls zum Malen. Bei einigen Mohnbildern deckte Annekatrin Punkte auf, die mir verdeutlichten, dass die Bilder noch im Fluss und somit unfertig sind. Zum Beispiel das letzte große Mohnbild mit dem goldenen Korngelb und dem dunkelblauen Himmel traf bei aller Zustimmung eine wohldosierte Kritik. Hier wie auch bei einer Reihe anderer Bilder zeigte mir Annekatrin, dass der Vordergrund noch ein wenig mehr Hingabe und einiges an Arbeit nötig hat. Die Malerin sprach über das Erblickte, indem sie die Bilder wie einen logischen Raum durchquerte. Sie argumentierte mit einer natürlichen Freude am Entdecken. Beim Austausch über meine Bilder erntete ich hier und dort Kritik, aber auch anerkennende Worte. Durch die Bildanalysen wurden mir Defizite bewusst, die mir nicht aufgefallen waren. Eine neue Perspektive eröffnete sich. Ich freute mich aber auch, dass Annekatrin die Aquarelle „Mohnleuchten“ im Grossformat und „Mohnabschied“ für abgeschlossen und für gültig hielt. Wir diskutierten ferner über die Farben Rembrandts. Deshalb, weil Annekatrin Brandl, wie sie erzählte, bei sich im Atelier ein Selbstbildnis von Rembrandt zu hängen hat. Immerhin arbeitet sie in seiner Tradition und vor allem auch mit seiner Technik. Frei nach der Devise: Das Pigment drauf auf den Untergrund! Gleich dort auf dem Malgrund die Farben mischen, wo das Bild entsteht! Somit eine spezielle Technik der vielen Farbschichten, bei der gilt: Verzichte auf das Mischen im Voraus auf der Palette! Annekatrin erzählte bei der Diskussion über die Farben Rembrandts auch über die verschiedenen Dunkelbrauntöne, mit denen der berühmte Künstler arbeitete, um Hell gegen Dunkel prallen zu lassen und um das Licht zum Leuchten zu bringen. Abends beim Weg zur Straßenbahn zeigte die Malerin noch schnell zu einer Laterne. Das Haus dahinter war so ins Dunkel gehüllt, dass man es kaum sah. Jetzt waren die Dunkelbrauntöne Rembrandts auf einmal mitten in meinem Wohnumfeld angekommen und leibhaftig zu sehen. So deutlich, wie zuvor am Nachmittag das warme Weiß und das kalte Weiß im kleinen Rosengarten meiner Frau. So erlebte ich mich am Tag des Besuches der Malerin aus Leipzig plötzlich in einer gewandelten kleinen Welt. Zu dem Tag mit Annekatrin Brandl gehörte, dass wir rein nach Schkeuditz radelten und in die Ausstellung „Element Wasser“ gingen, die meine Malgruppe der „Kreativen Pinsel“ erarbeitet hatte. In der Ausstellung auf den Fluren der Helios-Klinik zeigte mir Annekatrin auf meiner dunkelblauen Wellen-Trilogie die Dämonen, die ich dort mit reingemalt hatte. Wie den schlafenden Tod, der mir zuvor nicht aufgefallen war. An der Seite der phantasiebegabten Künstlerin begann ich versteckte Wesen, hier Teufel und da Engel, mit Erstaunen zu sehen. Ich erkannte jetzt Andeutungen von Figuren, die ich gemalt und dennoch nicht erblickt hatte. Das Fest des Sehens bei uns zu Hause in Modelwitz verging am 02. August 2018 nicht, ohne dass mich Annekatrin dann auch auf die Namen von wenigstens sechs Malern aufmerksam machte, die für einen Farbenmenschen wichtig sind. Es waren dies: Odilon Redon, Albert Ebert, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Gustav Kliemt und Lyonel Feininger. Allein schon der Mohnstrauß von Redon mit dem Titel „Vase of Poppies“ führt durch seine leuchtenden Blüten symbolträchtig vor Augen, dass das rote Mohnglühen zum  Menschenblick und zum Menschenglück dazu gehört. Als ich mein Rot auf die Mohnleinwände spachtelte, hatte ich die großen Vorbilder nicht schon im Kopf. Umso erfreuter und dankbarer war ich, als mich Annektrin Brandl einlud, am 1. September 2018 im Rahmen ihrer Ausstellung in der Georg-Schumann-Straße 116 in Leipzig drei meiner Bilder auszustellen. Darunter auch die Mohngruppe II vom Juli 2018 mit dem Blau-Lila-Himmel, mit den dunkelroten Blüten bis unten an den Bildrand und mit dem Goldgelb des Getreides. Ein Farbspiel auf einer Oberfläche von 30 x 30 cm, das für eine Vulkanästhetik steht. 


Text 5

Kunstnacht:
Mohnleuchten und Meeresrauschen im Wannenbad

Kunst steht für Leben, für Vitalität. Die neunte Nacht der Kunst auf der Georg-Schumann-Straße im  September 2018 war ein Festival der Sinne, an dem ich selber mit einigen Bildern beteiligt war, weil mich eine Leipziger Künstlerin eingeladen hatte. Eine Einladung, der ich sehr gern gefolgt bin, weil ich mit meiner Familie von 1982 bis 2002 selber in Gohlis gelebt habe. Die Georg-Schumann-Straße empfand ich in der späten DDR als Symbol des Zerfalls und des Niedergangs der Gesellschaft, für die ich mich in der Jugendzeit entschieden hatte. Dieser Zerfall wurde nicht schon zum Zeitpunkt der deutschen Einheit gestoppt. Das Wiederaufleben der weitläufigen Straße benötigte Jahrzehnte und Ausdauer. Wenn mich die Malerin Annekatrin Brandl eingeladen hat, in ihrer Ausstellung im einstigen Wannenbad im Hinterhof auf der Georg-Schuman-Straße 116 mitauszustellen, war ich beglückt. Voller Neugier durfte ich die freiheitliche Prozession der Bürgerschaft durch die vielen Präsentationen an diesem Septemberabend miterleben. Hier in den Geschäften an der Straße und dort in wundervollen Hinterhöfen und da in der Bibliothek Gohlis „Erich Loest“ und nicht zuletzt bei dem Verein Pandechaion – Herberge e. V. mit den schmackhaften Speisen, die Flüchtlinge bereitet hatten. Als ich dann im Raum einer einstigen Werkstatt neben meinen eigenen Bildern stand, war ich plötzlich herausgefordert, über das Mohnleuchten meiner Blumenbilder und über die Blautiefe der Meeresbilder von Annekatrin Brandl zu philosophieren, die in diesem Raum vereint waren. Einige der Gedanken möchte ich hier erzählen, indem ich den 1. September 2018 auf der Georg-Schumann-Straße 116 als ein glückliches Ereignis und als ein Fest des Sehens beschreibe, bei dem auch einiges über philosophische Ästhetik zu lernen war. Immerhin ist die Frage, was das Meeresrauschen mit dem Mohnleuchten zu tun hat, nach meinem Verständnis - als Hobbykünstler - eine Grundfrage des Philosophierens über Harmonie und Musikalität in der Malerei.

 

Mohnbilder
in der Diskussion 

In der Nacht der Kunst auf der Georg-Schumann-Straße strömten am 01. September 2018 in aller Ruhe erstaunlich viele Leipziger durch die Ausstellung von Annektrin Brandl, die mich eingeladen hatte, drei meiner Bilder auszustellen. Ein  Mohntrio und eine Gruppe Stiefmütterchen hingen an der Wand. Beide Aquarelle waren im Jahr 2017 entstanden. Auf einer kleinen Staffelei stand aber auch ein Mohnbild in Acryl aus dem Juli 2018, das die roten Blüten im gelben Getreidefeld zeigt. In diesem kleinen Ausstellungsraum zeigte aber auch Annekatrin Brandl zwei große Holztafeln, auf denen zum einen architektonische Szenen unter dem Titel „Licht in der Stadt“ und zum anderen Wasserszenen unter dem Titel „Meereslicht“ versammelt waren. Die Menschen, die in den Raum kamen, schauten bei meinen Arbeiten zunächst meist nicht zu dem Mohn, den ich in Acryl gespachtelt hatte. Sie wandten sich vor allem zu den beiden Aquarellen hin. Hier eine Gruppe Stiefmütterchen und dort drei Mohnblüten, die ich in der Seitenansicht gemalt hatte. Bei meinen Farbstudien war es jeweils darum gegangen, sich darauf einzulassen, dass das Wasser auf dem Malkarton fließt und dass die Farbe nach eigenen Fließgewohnheiten aus dem Pinsel strömt und sich frei auf dem Malgrund verteilt. Die Freiheit des Fließens war den Bildern anzusehen. Bei zahlreichen Besuchern fanden sie eine entsprechende Beachtung. Bei den Arbeiten  in den Medien Aquarell und Acryl, die ich ausgestellt hatte, wurde die Farbe im Voraus auf der Palette angerührt und gemischt. Anders bei den Pastellarbeiten von Annekatrin Brandl, die sie sowohl in der großen Räumlichkeit des einstigen Wannenbades als auch in dem Nebenraum ausstellte. Bei allen Bildern arbeitete die Künstlerin mit Pastellkreide, die sie Schicht für Schicht direkt auf den Malgrund aufgetragen hat. Als ich in der Kunstnacht vor den Bildern stand, war ich hin und wieder dazu herausgefordert, über das zu sprechen, was sich den Besuchern darbot. Ich erzählte von meinem stillen Dialog mit Hans-Jürgen Gaudeck, der für ein Mohn-Gedicht von Eva Strittmatter ein Mohnaquarell gezeichnet hatte. Sein Bild wünschte sich meine Frau von mir und ich habe es als Aquarellübung für mich nachempfunden. Es kamen Gäste in den Raum, die das Bild aufmerksam betrachteten, um aus den großen Blüten mit den schlanken Stengeln dann sogar eine Liebessymbolik herauszulesen. Erstaunliche, aber adäquate Deutungen standen plötzlich im Raum, so dass ich auch von meinem Nachdenken über Vulkanästhetik und seelische Eruptionen im Menschenleben erzählen konnte. Immerhin war es der Klatschmohn, der mich legitimiert hatte, die Farbe Rot dick auf die Leinwand zu bringen, wodurch von diesen Leuchtflecken zum Teil heftige Emotionen ausgelöst werden, wie Exzess und Rausch. Ich erzählte von dem Vulkanfotografen Wolfgang Müller, dessen Aufnahmen mich mit angeregt hatten, als ich im Sommer 2018 damit begann, den Mohn am Wegesrand in seiner Farbkraft zu porträtieren. In den Gesprächen über meine drei Bilder eröffnete sich mir die Chance, einige der Gedanken zu testen, die ich gerade zum „Mohnleuchten“ formuliert hatte. Darunter war auch der Hinweis, dass von den Farben die Musik der Malerei ausgehe.

 

Elternhaus
mit Farbflächenmagie     

Im Rotbraunschimmer waren auf der einen Tafel architektonische Gruppen zu sehen und auf der anderen Tafel erblickten die Besucher Meeresszenen im Blaufarbton. Beide Bildgruppen hatte die Malerin Annekatrin Brandl ausgestellt, die mir die Tür geöffnet hatte, mit Blumenbildern an der Nacht der Kunst teilzunehmen. Dadurch traten meine Bilder mit den Arbeiten der jungen Leipziger Malerin in einen Dialog. Bei aller Differenz in Technik und Thema entdeckte ich eine Gemeinsamkeit: Beide hatten wir unsere Bilder in einer Ästhetik verfasst, die ich als eine Nicht-Grün-Ästhetik bezeichnen möchte. Der Verzicht auf das Pflanzengrün stellt auf den ersten Blick eine Ungeheuerlichkeit dar. Ohne Pflanzen hätten wir keine Luft zum atmen und keinen Salat zu essen. Pflanzen bilden die erdgeschichtliche Basis jeglichen Tier- und Menschenlebens. Die Farbe Grün beeinflusst unser Wohlbefinden daher weitaus stärker, als uns dies meist bewusst wird. Aber in der künstlerischen Abstraktion ist Erstaunliches erlaubt. Annekatrin Brandl malt Häusergruppen, vor denen keine grünen Bäume stehen. Höchstens die Andeutung einer kugligen Baumkrone erlaubt sie sich. Man sieht auch keine Menschen und kann sich folglich nicht sicher sein, ob die Häuser, die sie ins Bild gesetzt hat – wie ihr Elternhaus – wirklich bewohnt sind. Wir schauen und wir rätseln. Wir beginnen ein Selbstgespräch, bei dem wir unbewusst und dennoch systematisch die Räume der Bilder mit ihrem Vordergrund und ihrem Hintergrund durchschreiten. Wir entdecken sehr bald, dass die architektonischen Gruppen und Häuserzeilen von Annekatrin Brandl meist deutlich in die Grunderzählung der Bibel eingebettet sind, wonach Gott zunächst einmal Himmel und Erde geschaffen hat. Ihre Häuserfassaden finden sich ein in das Oben des Himmels und das Unten der Erde. Wir erkennen menschliche Behausungen und werfen die Frage danach auf, wo wir uns eigentlich Zuhause fühlen. In einem Teil der Arbeiten von Annekatrin Brandl entfalten sandsteinfarbene Ockertöne und rotbraune Ziegelflächen ein Spiel der Farben, in dem wir die Schwerkraft spüren und unser Dasein in seiner Erdgebundenheit porträtiert sehen. Die Leipziger Künstlerin steht mit ihrer Brauntonliebe in der Geistestradition von Paula Modersohn-Becker, der es auf die Erdung der Menschen ankam. Wir denken unweigerlich an Friedrich Nietzsche, der in Worpswede verehrt wurde. Der Denker legte seinem Zarathustra den Satz in den Mund: „Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu ...“. Auf den Ziegelflächen des einstigen Wannenbades der Georg-Schumann-Straße entfaltete das Gemälde „Elternhaus“ mit dem hohen und weiten Ockerhimmel, mit dem hell leuchtenden Horizont und dem rötlichen Haus mit den beiden Laternenmasten davor eine erstaunliche emotionale Kraft. Aus Farbflächen wurde ein Emotionsraum. Ein Raum der Erinnerung der Künstlerin an ihr Woher und an ihr Zuhause. Ohne Mutter, Vater und Geschwister einzeln ins Bild zu setzen, holte die Künstlerin den Betrachtern ein Bild vor Augen, das von Herkunft und Heimat erzählt, indem es einfach nur Häuser zeigt. Wir empfinden Bodenhaftung und erahnen unser Verwurzelt-Sein in Gemeinschaften, die Häuser errichten, gestalten und bewohnen.

 

Nachtmeer
im Tiefgang porträtiert  

Sie schöpft aus rotbraunen sowie ockerbetonten Farbwelten, aber sie lässt sich auch auf blaue Farbwelten ein, um unsere Lebenswelt als ein irdisches Dasein derart ins Bild zu setzen, dass beim Betrachtenden sogenannte Prototypen oder Urbilder aus dem Unterbewusstsein heraus wachgerufen werden.  Annekatrin Brandl hat für die Nacht der Kunst  am 01. September 2018 Elementarbilder geschaffen. Ihre Bilder sind Abstraktionen. Die Besucher hatten räumliche Szenen vor Augen,  bei denen auf Vieles verzichtet wurde, um Ursprüngliches herauszuheben und durch die Harmonie der Farben sichtbar zu machen. Die Malerin verzichtete bei ihren Bildern auf jeden Zierrat. Sie ließ jeweils Flächen aufeinandertreffen. Mit oft geringen Differenzen in den Farbtönen. Bei den Besuchern entstand Farbklang. Sowohl durch die Bilder in den Farbspielen der tiefen Blautöne als auch durch die Bilder in den Rot- und Ockertönen. Beides waren extreme geistige Verdichtungen. Hier die Häusergruppen auf der Tafel „Licht in der Stadt“ und dort die Meer- und Seeszenen auf der Tafel „Meereslicht“. In beiden Farbspielvarianten kommt ein Gemeinsames zum Ausdruck. Die „Mutter Erde“ musiziert sowohl im Ockerfarbklang als auch im Tiefblau des Meeres. Ozeane wie Kontinentalschollen vereinen sich zum Oberflächengesicht unseres Heimatplaneten. Blautöne wie Ockerfarben sprechen uns an bis tief in unser Unterbewusstsein hinein. Das „Nachtmeer“ im Großformat an den Wänden des einstigen Wannenbades durchtönte den gesamten Raum mit einer Urtiefe und Durchdringung, der sich die Besucher nicht entzogen haben. Zu sehen ist: Nur dunkelblaue Meeresweite durchsetzt von schwarzblinden Nachtsehflecken vor violettem Himmel. Eine Komposition, bei der sich die Besucher von der Urgewalt des Wassers auf sich selbst hingeführt erlebten, um sich vom Lärm des Tages abzuwenden und in der Dunkelheit auf das Rauschen des Meeres einzulassen. Aus den Farbflächen der Bilder von Annekatrin Brandl erwachsen Resonanzen, in denen wir uns als dialogische, als sich erinnernde, als sich zwischen divergierenden Emotionen entlangbewegende Wesen erleben. Ob Meerbilder oder Mohnbilder, durch kontrastreiche Farbflächen werden wir in emotionale Schwingungen versetzt. Wir erleben uns im Widerstreit des Möglichen. Unsere Aufmerksamkeit fokussieren wir auf das Eine oder das Andere. Unseren  Weg im Leben finden wir im jeweiligen biografischen Abschnitt auch nur im Wechselspiel der rivalisierenden Kräfte und im Zusammentreffen gegensätzlicher Erfahrungen. Beim Blick auf das lange schmale Meeresbild mit dem Segel auf der Tafel „Meereslicht“ waren sich die Besucher der Bilderschau nicht sicher, ob die fiktiven Betrachter noch eine Weile verharren und sehnsuchtsvoll in die Richtung des Horizonts mit dem hellen Licht blicken können oder ob sie besser die Flucht ergreifen sollten vor dem Unwetter, das von rechts her über dem dunklen Meer aufzieht. Menschsein ist ein Dasein, das mit Entscheidungen einhergeht, die an Verzweigungen zu treffen sind. An Weggabelungen können verschiedene Pfade eingeschlagen werden. Es ist die besondere Kunst der Malerin Annekatrin Brandl, in ihren Bildern ursprüngliche Ausdrucksformen zu finden, bei denen es immer auch um die Frage geht, wie sich im Zusammenspiel von Erdschwere, Horizontweite und Menschenliebe in unserem Dasein sowohl Sinn und Freiheit als auch Heimat eröffnen.


Text 6

Erdfarbklang 

Die Leipziger Malerin Annekatrin Brandl schafft Werke, die eine eigene Farbigkeit besitzen. Die Farben ihrer Bilder, die sie in der Nacht der Kunst am 01. September 2018 und am Tag des Offenen Denkmals, am 09. September 2018, der Bürgerschaft auf der Georg-Schumann-Straße 116 präsentierte, überschreiten die Farben der Natur. Dunkelblaue Farbenspiele, Kompositionen im Ockerton sowie im Sandgrau oder Rotbraunschimmer tragen ein tiefes Erdgefühl in die Bilder hinein. Aus diesem Grund machte ich bei Hans-Georg Gadamer Station, der sich in seinem Essay über Martin Heidegger und dessen Vortrag zum Ursprung des Kunstwerkes (1935/36) fasziniert davon zeigte, wie dieser die Erde in unser Bewusstsein rückte. Heidegger behandelte in seinem Vortrag den Unterschied zwischen Ding, Zeug und Werk. Er arbeitete heraus, dass die Werke der  Kunst – nicht nur die Statuen, sondern auch die Bilder - von der Erde durchwirkt werden. Gadamer referierte den Gedankengang seines Kollegen mit den Worten: „Erde ist in Wahrheit nicht Stoff, sondern das, woraus alles hervorkommt und wohinein alles eingeht.“ (S. 106.) Die Bilder von Annekatrin Brandl, die im September 2018 in einer einstigen Bronzegießerei, einem späteren  Wannenbad und einem heutigen Raum der Begegnung zu sehen waren, erzählten davon, dass  wir Kinder der Erde sind. Es handelte sich um Bilder, bei deren Deutung von Heidegger ein geistiges Angebot kommt. Die Farben in einem Kunstwerk beschreibt der Philosoph aus Meßkirch nicht als Stoff. Farben reduzieren sich im Kunstwerk nicht auf Ding und Zeug. Wenn „die Farben zum Leuchten“ anheben und sich zum Werk fügen, werden sie zum Träger von Sinn. Das Werk stellt sich aber, wie Heidegger anmerkt, hinter „das Leuchten und Dunkeln  der Farbe“ zurück. (S. 42.)  Annekatrin Brandl trat jedenfalls auch hinter ihre Bilder, indem sie das Publikum nicht durch Worte zu beeindrucken suchte, sondern ihre Farben zu den Menschen sprechen ließ. Besonders das Bild „Das Elternhaus“ mit dem weiten und hohen Himmel brachte den Ziegelraum zum Klingen. Die Szene mit den zwei Laternenmasten vor der Häusergruppe und mit dem hellen Licht am Horizont erzählte von einem Geschehen, das Heidegger gemeint haben dürfte, wenn er das Sein der Kunst in die Verwandlungen der Erde hineinstellte: „Wohin das Werk sich zurückstellt und was es in diesem Sich-Zurückstellen hervorkommen läßt, nannten wir die Erde. Sie ist das Hervorkommend-Bergende. Die Erde ist das zu nichts gedrängte Mühelose-Unermüdliche. Auf die Erde und in sie gründet der geschichtliche Mensch sein Wohnen in der Welt.“ (S. 43.)  In dem Bild „Das Elternhaus“ ist kein Mensch zu sehen. Dennoch berichtet Annekatrin Brandl von unserem Dasein, in dem wir wie Pflanzen aus dem Elternhaus hervorwachsen, uns von ihm trennen und entfernen, aber diese Erdung in unserer Erinnerung als geistiges Gut bewahren. Die Heiligkeit von Mutter und Vater veranlasst uns gerade auch im Erwachsenenleben, sich dankbar an unser Woher und an das Haus des Herkommens zu erinnern. Wer die reduzierte Farblichkeit in dem Bild „Das Elternhaus“ auf sich wirken ließ, den erfasste eine Gestimmtheit der Ruhe, der Sammlung und des Dankes für unsere irdische Verwurzelung.


Text 7

Meeresgrün und Mondgelb -
Annekatrin Brandl malt erdverbunden 

Sie spricht in Farben zu uns: Annekatrin Brandl. Die Malerin gestaltet Farbflächen, von denen eine emotionale Tiefenwirkung ausgeht. Ihre Flächen beruhigen. Doch horch: Wir schauen auf das „grüne Meer“ und hören die See rauschen. Und sieh: Wir blicken auf das Bild "der Mond, die Laternen & das Haus", entdecken den vollen Mond, um in Gedanken in das rötliche Haus einzukehren. Wärme des Wohnens steigt in uns auf. - Flächen in Tief-Rot begegnen uns in den Farbanalysen von Annekatrin Brandl ebenso wie Flächen in Hell-Blau, in Grün-Blau und in Ocker-Gelb. Die Farbmuster wecken unsere Aufmerksamkeit. Wir beginnen, das Abenteuer des Sehens zu wagen. Wir erinnern uns an Bildeindrücke, die sich in der Vergangenheit eingeprägt haben, die wortlos von uns erlebt wurden, die aber im Farbgedächtnis sicher aufbewahrt werden. Weil Himmels-Flächen und Meeres-Weiten sowie Flächen der Boden-Ständigkeit zusammentreffen, erarbeiten wir uns als Betrachtende in der Ausstellung "Dialog der Farben" in Windeseile, ohne dass wir es merken, aus den zweidimensionalen Ansichten an der Wand dreidimensionale Räume. Wir begeben uns lautlos, aber geschwind in ein räumliches Geschehen. Ob nun Boot oder Brücke oder Bauwerk, in den Bildern erkennen wir Geschichten, die zwischen Himmel und Erde beheimatet sind. Das ist das Stichwort: Wir sind beheimatet unter dem Himmelsblau, vor dem Meeresgrün und wohnhaft in eckigen Häusern aus Stein, die auf dem Erdboden gründen, aber auch im Rotschimmer leuchten können. Farbflächen berühren sich. Treten in Rede und Gegenrede. Berühren uns. Versetzen uns in Stimmungen. "Das Boot im Sturm" lässt uns nicht kalt. Das Meer erblicken wir in sehr verschiedenen emotionalen Gesichtern: Mit beruhigender Weite, friedlicher Tiefe, beglückender Luftigkeit, aber auch mit berohlichen Wetterlagen. In der Ausstellung im Atelier in der Diakonissenstraße 2 haben wir, so möchte ich behaupten, nicht weniger als künstlerisch entdeckte Elementarbilder unseres Daseins vor uns. Wir finden in der Hektik des Alltags, im Lärm der Gegenwartskonflikte, im Widerstreit unserer eigenen Bestrebungen in dem Moment des Hinschauens entspannende Augenblicke der Ruhe, der Besinnung auf uns selbst, der Hoffnung auf Frieden, des Beschwingtseins durch Freiheit und der Erfüllung durch Liebe. Es grenzt an ein Wunder, dass Farben durch unsere Menschenaugen hindurch und im Gespräch miteinander ein Soviel an Stimmung und Sinn und Seelenverwandschaft stiften  können. Wie die Alten Meister vor ihr, bringt Annekatrin Brandl das Licht durch ein dunkles Braun oder Blau, aber auch durch ein abgedunkeltes Grün zum Leuchten. Mit ihrer Pastelltechnik arbeitet sie in der Tradition eines Rembrandt van Rijn. In ihrem Wunsch, in ihre Bildgeschichten Erdung hineinzutragen, scheint die Malerin mitten im Atelier von Paula Modersohn-Becker zu stehen. Paula malte ihre bodenständige und naturverbundene und auch deftige Lebensauffassung, die gerade auch in Dörfern gedeiht, in das Gesicht, die Hände und in die Haltung der alten Bäuerin "Dreebeen" hinein. Wie Paula gestaltet Annekatrin Farbfläche für Farbfläche im Ton der Erde, wenn sie das Meer und die Felder und die Häuser als unser Zuhause entdeckt. Die Leipziger Künstlerin hätte viel zu erzählen, wenn sie Paula Modersohn-Becker treffen könnte. Im Interview sagte sie am 24. Oktober 2018 im Vorfeld ihrer Ausstellung "Dialog der Farben" über ihr stilles Gespräch mit Paula: "Wir sind Frauen, wir müssen uns in dieser Künstlerwelt durchsetzen, die meiner Meinung nach schwierig ist. Es ist schwierig, sich als Frau in dieser Künstlerwelt zu behaupten und als Frau künstlerisch seinen Weg zu gehen und an das zu glauben, was man machen möchte. Ich möchte so wie sie eine sehr ehrliche Kunst machen. Sie soll ehrlich sein und erdverbunden. Den Menschen zugewandt. Ich möchte einfach eine sehr, sehr gute Künstlerin sein. Das möchte ich sein oder werden; mich weiterentwickeln. Die Kunst ist halt einfach mein Lebensinhalt." Ich glaube, man sieht es in der Ausstellung "Dialog der Farben", die im Atelier der Künstlerin in der Diakonissenstraße 2 am 15. November 2018 eröffnet wurde.


Anmerkungen

Teufel mit Seeblick -
Kunst im Blockstellwerk Elsteraue 

Über den "Zauber des Dionysischen" und über das Gefühl, in "die Lüfte emporzufliegen" schreibt Friedrich Nietzsche in seinem berühmten Essay "Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik" (1872). Vgl. Friedrich Nietzsche: Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik. Berlin 2012. S. 32.

Farbenleserin

Über ihren Ansatz in der Malerei schreibt Annekatrin Brandl: "Ich versuche komplexe Lösungsansätze zu finden, komplementiert in einem Bild. Dabei ist der Raum die Realität. Die Realität ist der Raum.“ Vgl. den Link: https://www.annekatrin-brandl.de/. Eingesehen am 26. August 2018.

Kunstnacht:
Mohnleuchten und Meeresrauschen im Wannenbad

Das Mohnaquarell von Hans-Jürgen Gaudeck besteht aus drei Blüten. Das Bild befindet sich in dem Gedichtband: Eva Strittmatter/Hans-Jürgen Gaudeck: Und Liebe liebt niemals vergebens. Berlin 2015. S. 31. - Die Ästhetik der Naturfotografien von Wolfgang Müller ist dokumentiert in dem Bildband: Wolfgang Müller/Klaudia Kretschmer: Vulkane hautnah. Augenblicke der Schöpfung. Steinfurt 2012. - Friedrich Nietzsche legte seinem Zarathustra den Satz mit der Aufforderung zur Erdentreue in den Mund. Vgl. Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Stuttgart 1989. S. 6.

Erdfarbklang 

Die Bestimmung der Erde als das, "woraus alles hervorkommt und wohinein alles eingeht“ findet sich bei Hans-Georg Gadamer in seiner Einführung zu Heideggers Vortrag über den Ursprung des Kunstwerkes. Vgl. Martin Heidegger: Der Ursprung des Kunstwerkes. Mit einer Einführung von Hans-Georg Gadamer. Stuttgart 1960. 
S. 106. - Die Formulierung vom „Leuchten und Dunkeln  der Farbe“ wählte Heidegger. Vgl.   Martin Heidegger: Der Ursprung des Kunstwerkes. Stuttgart 1960. S. 42. Darüber, dass der  geschichtliche Mensch auf die Erde sein "Wohnen in der Welt" gründet, äußerte sich Heidegger in seinem Vortrag über den Ursprung des Kunstwerkes. Vgl.   Martin Heidegger: Der Ursprung des Kunstwerkes. Stuttgart 1960. S. 43.